Karl Marx 1818-1883 LEBEN.WERK.ZEIT

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200 Jahre Karl Marx - Museumsbesuch in seiner Geburtsstadt Trier

Eine relativ kleine Gruppe von Mitgliedern des Bürgervereins Meckenheim unternahm am Mittwoch, den 29. August 2018, eine Busreise nach Trier, der ältesten Stadt unseres Landes. Das Ziel waren nicht die bedeutenden antiken oder mittelalterlichen Bauten, sondern die große Landesausstellung „Karl Marx 1818 – 1883. Leben. Werk. Zeit.“ im Rheinischen Landesmuseums Trier und im Stadtmuseum Simeonstift (bei der Porta Nigra).

Initiiert und organisiert wurde die lohnende Museumsreise von Frau de Haas aus dem Vorstand des Bürgervereins. Eine kundige und redegewandte Führerin begleitete die Gruppe vor Ort in den umfangreichen und gut strukturierten Ausstellungen, mit Gemälden (darunter die „Schlesischen Weber“ von C. W. Hübner als Leihgabe aus dem Bonner Landesmuseum), Graphiken, Briefen und anderen Archivalien, Fotos, illustrativen Objekten und reichlich Text-„Flachware“.

P1080275 Mit der Ausstellung im Stadtmuseum stand am
 Anfang die Biographie des 1818 als Sohn des
 jüdischen Anwalts Heinrich Marx in Trier geborenen
 Karl Marx. Dieser studierte in Bonn und Berlin
 Jura und Philosophie, schon bald unter dem
 Einfluss Hegels, und wurde 1841 in Jena promoviert.
 Beziehungen zum Kreis der „Junghegelianer“
 bahnten den Weg zu seinem politischen Denken.
 1843 heiratete Karl Marx Jenny von Westphalen.
Ihr Vater war ein Kollege seines Vaters und zugleich ein Förderer des jungen Marx. Durch seine journalistische Arbeit („Rheinische Zeitung“ und „Neue Rheinische Zeitung“ in Köln) geriet er immer wieder in Konflikt mit der Obrigkeit, zumal des preußischen Staates. Mit dem Barmer Fabrikantensohn Friedrich Engels verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Zusammen verfassten beide 1848 das „Manifest der Kommunistischen Partei“. Nach Stationen in Paris (Freundschaft mit Heinrich Heine), Brüssel und wieder Köln ging Marx 1849 ins Londoner Exil. Dort veröffentlichte er nach Jahren intensiver wissenschaftlicher Arbeit den ersten Band seines Hauptwerks „Das Kapital“ als eine Kritik politischer Ökonomie (die beiden folgenden Bände wurden posthum von F. Engels herausgegeben). Die einzelnen Abschnitte der Marx-Ausstellung im Landesmuseum lauten u.a.: Aufbruch des Bürgertums – Not und Unterdrückung – Die Erfindung des Proletariats – Prinzip Profit – „Das Kapital“ - Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Eingebettet in die zeitgeschichtlichen Bezüge von Industrialisierung und sozialen Umbrüchen ist das intellektuelle und politische Wirken von Karl Marx dargestellt. Vor allem geht es um seine Kritik der Ökonomie und – darin bis heute aktuell – des Kapitalismus, worin Arbeitskraft zur Ware wird. Eine Fließband-Maschine veranschaulicht am Ende der Ausstellung den grausamen Kreislauf. Erst nach seinem Tod wird Marx als „Arbeiterführer“ verehrt. Und mit der russischen Revolution 1917 wird der Marxismus zu einer weit verbreiteten Staatsdoktrin - bis zu ihrer Entwicklung in menschenverachtenden Diktaturen. In der Nähe des Simeonstifts konnten aufmerksame Besucher die wirklich monumentale Bronzeskulptur „Karl Marx“ sehen – mit leicht wehendem Mantel und voran schreitend mit dem linken Fuß. Ein Geschenk an die Geburtsstadt aus der fernen VR China. Auf dem Heimweg aus der Stadt fuhr der Bus der mit Eindrücken, Bildern, Texten und Gedanken – sicherlich auch kritischen - bereicherten Meckenheimer über die Brückenstraße, vorbei am Haus Nr. 10, dem Geburtshaus des Mannes, der auf seine Weise folgenreich die Philosophie vom Kopf auf die Füße zu stellen versucht hat.
Text: Hans Martin Schmidt, Fotos:Friedhelm Opitz